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Abschlussbericht

Abschlussbericht

 

Das Deutsche Olympische Jugendlager ist vorbei. Der zwölfstündige Flug durch die Zeitzonen ging nicht ganz spurlos an mir vorbei. Aber so langsam komme ich wieder in den Rhythmus. In diesem abschließenden Bericht möchte ich meine Eindrücke und Erlebnisse, die ich in Rio sammeln und erleben konnte, noch einmal zusammenfassen. Außerdem möchte ich auf Themen eingehen, die mich persönlich sehr berührt haben und zu denen ich mir eine eigene Meinung bilden konnte.

Bereits in Köln haben wir bei dem Vorbereitungstreffen über verschiedene Themen, die uns in Rio de Janeiro erwarten, gesprochen. Dennoch war es nicht ganz ohne, als wir nach der Landung mit dem Bus durch die Stadt gefahren sind. Denn die meisten Gebäude waren entweder herabgekommen oder gar nicht erst fertig gestellt.

Auf dem Weg zur Unterkunft
Auf dem Weg zur Unterkunft

Der Stadtteil, in dem sich unsere Unterkunft (Deutsche Schule Corcovado) befand, heißt Botafogo. Dieser Teil von Rio gehört zu den ruhigeren. Die Favela, die nur eine Querstraße von uns entfernt ist, ist befriedet. Das bedeutet, dass es dort keinen Streit zwischen Gangs oder der Polizei gibt. Trotzdem ist die Kriminalitätsrate sehr hoch. Ebenso wie die Gewaltbereitschaft.

In der Deutschen Schule brauchten wir uns allerdings keine Gedanken machen, da das Schulgelände durch hohe Mauern und Zäune geschützt ist. Am Eingang war zu unserer Überraschung sogar Sicherheitspersonal postiert, welches uns nur mit unseren Akkreditierungen hereingelassen hat. Diese Kontrollen werden aber auch in der Schulzeit durchgeführt, um die Sicherheit der Schüler und Lehrer zu gewährleisten. Über die sonstige Ausstattung der Schule konnten wir uns ebenfalls nicht beschweren. Es gab eine Außensportanlage, bestehend aus einem Kunstrasenplatz, der im Dunkeln beleuchtet werden kann, einer Cafeteria, die uns zu jeder Mahlzeit des Tages gut versorgt hat und einer „Lounge“, die wir für unsere Workshops nutzen konnten. Außerdem war die Lounge auch als Aufenthaltsraum nutzbar, in dem wir die Wettkämpfe über einen Livestream verfolgen konnten.

Liveübertragung der Eröffnungsfeier
Liveübertragung

Die Schlafräume, die wir uns je nach Konstellation zu sechst oder acht geteilt haben, sind eigentlich Klassenzimmer. Das hat uns aber nichts ausgemacht. In meinem Zimmer gab es 3 Stockbetten, mit jeweils 2 Matratzen. Meine Zimmergenossen waren stets freundlich und lustig, sodass wir in den zwei Wochen mit viel Lachen und Zusammenhalt gut miteinander auskamen 😉

Die ersten Tage haben wir damit verbracht, die Olympischen Spiele in ihrem Umfang kennenzulernen. In Form von Wettkampfbesuchen und Workshops zum Thema Doping konnten wir uns einen groben Überblick über einzelne Themen verschaffen.

In den darauffolgenden Tagen haben wir mit brasilianischen Schülern aus unserer und anderen Schulen gemeinsam gearbeitet. Durch kleine Sportspiele haben wir uns besser kennengelernt und konnten danach in den Arbeitsräumen unsere Ideen zum Thema „Nachhaltige Olympische Spiele“ zum Ausdruck bringen. Die Kommunikation war nicht immer einfach, da so ziemlich keiner von den Brasilianern Englisch gesprochen hat und nur zwei von unseren Jugendlichen Portugiesisch… Aber mit „Händen und Füßen“ hat letztendlich doch alles geklappt. Berührungsängste gab es nicht. Die Lehrer, die die einzelnen Gruppen geleitet haben, waren uns beim Übersetzen auch eine große Hilfe.

Nachdem die Kinder und Jugendlichen uns besucht haben, wollten wir sie natürlich auch besuchen. Also sind wir in eine Favela gefahren und haben uns dort angeschaut, wie die Schüler dort ihre Freizeit verbringen. Wir sind ganz schmale „Schleichwege“ entlanggegangen und sind am Ende bei einem kleinen Fußballplatz angekommen. Dort haben wir dann mit den Kindern Kopfhandball und Fußball gespielt. Trotz der für uns sehr erschreckenden Umstände, unter denen die Favela-Bewohner dort leben, hatten die Schüler eine Ausstrahlung, die jedem von uns ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Wir haben zusammen gespielt, gelacht und triumphiert. Und für einen kurzen Moment konnte man alles andere, was einen umgab, vergessen. Was uns alle sehr bewegt hat, war eine Wandmalerei auf dem Platz, auf der 3 Mädchen zu sehen waren. Wie uns der Lehrer, der auch für die Erbauung des Platzes gekämpft hat, erzählte, sind vor den Arbeiten zur Verbesserung der Sicherheit drei Mädchen bei einem Erdrutsch ums Leben gekommen. Diese Geschichte hat uns sehr berührt. Bevor wir dann gegangen sind, haben wir uns nochmal bei jedem Schüler für diesen tollen Tag bedankt und uns von ihnen verabschiedet.

Vom Timing her war der anschließende Besuch im Deutschen Haus vielleicht etwas unpassend. Da man zuerst mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet hat, die an der Grenze zur Armut leben und danach auf Olympioniken und Funktionäre trifft und sich nebenbei an einem „All-You-Can-Eat“-Buffet den Bauch vollschlägt. Ich bin dennoch der Meinung, dass es wichtig war, diesen Kontrast kennenzulernen. Für mich selbst konnte ich so realisieren, wie gut es uns hier in Deutschland geht und wie ich mit einigen Dingen jetzt anders umgehen werde.

 

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Das Deutsche Haus

Es war sehr interessant, sich mit Persönlichkeiten wie Thomas Bach oder Alfons Hörmann zu unterhalten. In einer Diskussionsrunde mit dem DOSB Präsidenten Alfons Hörmann konnten wir viele Fragen zur Dopingprävention auch in Bezug auf aktuelle Probleme stellen.

Die weiteren Wettkämpfe, die wir gesehen haben, waren an sich echt spannend. Schade war nur, dass die Fans der einen Mannschaft (eigentlich das ganze Stadion) die andere Mannschaft angefangen haben, auszupfeifen, sobald diese in Ballbesitz kam oder eine gute Leistung vollbracht hat. Dementsprechend wurden Fehler oder Ballverluste mit Jubelrufen gefeiert. Für uns Jugendliche und auch für die Betreuer war dieses Verhalten sehr schockierend und wir kamen alle zu der Meinung, dass dieses Verhalten einfach nur unsportlich und gemein ist. Absolut daneben finde ich das Auspfeifen bei einer Siegerehrung, denn es gibt für einen Sportler nichts größeres, als eine Medaille bei Olympia zu erreichen. Und jemanden diesen Triumph nicht zu gönnen ist einfach nicht fair.

Fairness im Sport war ebenfalls ein Thema, das wir während unserer Zeit in Rio ausgiebig behandelt haben. Wir haben beispielsweise über Gründe für und gegen Doping gesprochen. Die Moral war uns allen dabei am wichtigsten. Denn Sportler, die durch bestimmte Mittel Leistungen erbringen, zu denen sie sonst nicht in der Lage wären, sind meiner Ansicht nach Schummler und keine Sportler. Deshalb bin ich umso zufriedener, dass keine Deutschen Sportler positiv getestet wurden.

Glücklicherweise beinhaltete unser Programm auch Punkte, wie zum Beispiel den Besuch der Christus Statue. So konnten wir auch ein wenig von der Stadt und seinen Attraktionen erleben J Neben dem „Christo“ haben wir auch noch den Vorberg des „Morro da Urca“ und den Berg „Pedra Bonita“ besucht. Von allen drei Sehenswürdigkeiten aus hatte man eine unglaubliche Aussicht. Wir konnten unsere Blicke über die ganze Stadt schweifen lassen. In diesen Momenten wurde uns auch erst bewusst, wie groß Rio eigentlich ist. Denn durch die einzelnen Felsen und Berge erstreckt sich die Stadt über eine gigantische Fläche. An den Hängen kann man dann sehen, wie die Favelas sich dicht an dicht die Berge hinaufwinden. Umgeben wird die Stadt von einer riesigen Bucht, die ebenfalls atemberaubend schön ist.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich ganz viele, schöne Eindrücke gesammelt, aber auch sehr interessante Erfahrungen gemacht habe. Besonders gut hat mir die Kultur dort gefallen. Die Menschen dort sind so gastfreundlich, dass wir sehr traurig waren, abreisen zu müssen.

Ich möchte meinem Trainer Christian Senft ein großes Dankeschön aussprechen, der sich stark für die Förderung jugendlicher Sportler einsetzt, mich seit längerer Zeit begleitet und zu meinen Erfolgen gecoacht hat! Und natürlich bedanke ich mich bei meiner Familie, Freunden, den Sportvereinen, Sportverbänden, allen Sponsoren für die Unterstützung, durch die mir dieses einmalige Erlebnis ermöglicht wurde. Ein weiterer Dank geht an die Schaumburger Nachrichten, die mir die Möglichkeit gegeben haben, durch einen Blog meine Erlebnisse mit vielen Menschen zu teilen. Das Deutsche Olympische Jugendlager wird eine unvergessliche Zeit bleiben und ich bin glücklich, dass ich diese miterleben durfte!

Ich stehe zwar etwas verdeckt. Aber hier kommt es nicht auf den Einzelnen an. Sondern auf das große Ganze. Das Deutsche Olympische Jugendlager!
Ich stehe zwar etwas verdeckt. Aber hier kommt es nicht auf den Einzelnen an. Sondern auf das große Ganze. Das Deutsche Olympische Jugendlager!

 

Veröffentlicht inRio 2016